Salzbergbau und seine Folgen
Senkungen durch Salzbergbau
Durch den untertägigen Salzabbau entstehen über lange Zeiträume Bodenbewegungen, die sich bis an die Tagesoberfläche auswirken können.
Unter Tage
Wie entstehen die Senkungen?
Im Steinsalzbergwerk Borth wird seit vielen Jahrzehnten unter Tage Salz gewonnen. Dabei werden im Gebirge Abbaukammern aufgefahren, zwischen denen tragende Salzpfeiler stehen bleiben.
Salz besitzt die besondere Eigenschaft, sich unter lang anhaltendem Druck plastisch zu verformen. Dadurch verändern sich die Abbauhohlräume über sehr lange Zeiträume.
Boden und Decke der Kammern können sich langsam aufeinander zubewegen, während sich auch die stehen gelassenen Pfeiler unter der Gebirgslast verformen.
Besondere Eigenschaft
Salz verhält sich unter Druck plastisch
Der Begriff „Steinsalz“ kann den Eindruck vermitteln, das Material verhalte sich wie ein starrer Fels. Tatsächlich kann sich Salz unter hohem und dauerhaftem Druck langsam verformen.
Daher können sich ehemalige Abbaukammern auch Jahrzehnte nach dem eigentlichen Abbau weiter verändern.
Tagesoberfläche
Die Oberfläche senkt sich langsam ab
Die untertägigen Veränderungen übertragen sich auf die darüberliegenden Gebirgsschichten und können dadurch Bodenbewegungen an der Oberfläche verursachen.
Nach Angaben von K+S treten die größten Senkungsgeschwindigkeiten in den ersten Jahrzehnten nach dem Abbau auf. Danach nimmt die Geschwindigkeit ab, während sich die Bodenbewegungen großflächiger und gleichmäßiger entwickeln.
Zur Beobachtung der Bodenbewegungen betreibt K+S nach eigenen Angaben ein umfangreiches Höhenmessnetz mit mehr als 3.500 Messpunkten.
Informationen von K+S zu den SenkungenMögliche Auswirkungen
Nicht nur die absolute Senkung ist entscheidend
Schieflagen
Wenn sich unterschiedliche Bereiche eines Grundstücks unterschiedlich stark absenken, können Schieflagen entstehen.
Zerrungen und Pressungen
Unterschiedliche Bodenbewegungen können Spannungen im Untergrund verursachen, die sich auf Gebäude und andere Bauwerke auswirken können.
Infrastruktur
Auch Straßen, Leitungen, Kanäle und andere technische Anlagen können von Veränderungen der Höhenlage betroffen sein.
Entwässerung und Grundwasser
In abgesenkten Bereichen können sich Gefälle, Grundwasserflurabstände und Entwässerungsverhältnisse verändern.
Langfristige Entwicklung
Senkungsmulden entstehen über lange Zeiträume
Über untertägigen Abbaugebieten können sich im Laufe der Zeit großflächige Senkungsmulden ausbilden.
Wie groß die Senkung an einem bestimmten Ort ausfällt, hängt unter anderem von der Lage und Ausdehnung der Abbaufelder, der Geometrie des Abbaus und den geologischen Verhältnissen ab.
K+S veröffentlicht für die bestehenden und geplanten Abbaufelder Prognosen zu den langfristig erwarteten Bodenbewegungen.
Hochwasser und Starkregen
Senkungen können die Folgen von Wasserereignissen beeinflussen
In einem abgesenkten Gelände können sich die natürlichen Abfluss- und Entwässerungsverhältnisse verändern. Deshalb sind Hochwasserschutz, Grundwasserregulierung und die Leistungsfähigkeit der Entwässerungssysteme für Bergsenkungsgebiete von besonderer Bedeutung.
Bei extremen Starkregen- oder Hochwasserereignissen können tief gelegene Bereiche besonders gefährdet sein. Ob und in welchem Umfang ein konkreter Schaden auf den Bergbau, auf das Niederschlagsereignis oder auf mehrere Ursachen zurückzuführen ist, muss im Einzelfall untersucht werden.
Weitere Informationen zum HochwasserschutzDeiche
Bergsenkungen müssen beim Hochwasserschutz berücksichtigt werden
K+S erklärt, Deiche, die durch den Salzbergbau abgesenkt werden, entsprechend erhöhen beziehungsweise ertüchtigen zu lassen und die bergbaubedingten zusätzlichen Kosten zu übernehmen.
Nach Angaben des Unternehmens darf das vorgeschriebene Schutzniveau eines Deiches auch während fortschreitender Senkungen nicht unterschritten werden.
Informationen von K+S zum HochwasserschutzRechtliche Einordnung
Wann liegt ein Bergschaden vor?
Das Bundesberggesetz regelt die Haftung für Bergschäden. Nach § 114 BBergG kann grundsätzlich ein ersatzpflichtiger Bergschaden vorliegen, wenn durch einen Bergbaubetrieb beispielsweise eine Sache beschädigt wird.
§ 120 BBergG enthält für bestimmte Schäden im Einwirkungsbereich untertägiger Bergbautätigkeit eine Bergschadensvermutung. Dazu gehören insbesondere Schäden durch Senkungen, Hebungen, Pressungen, Zerrungen, Erdrisse oder Erschütterungen.
Ob ein konkreter Schaden tatsächlich als Bergschaden einzustufen ist und wer dafür haftet, hängt jedoch von den Umständen des Einzelfalls ab.
Bundesberggesetz in der aktuellen FassungPosition der Bürgerinitiative
Langfristige Folgen müssen berücksichtigt werden
Aus Sicht der Bürgerinitiative dürfen die Auswirkungen des Salzbergbaus nicht allein anhand der unmittelbar sichtbaren Senkung betrachtet werden.
Entscheidend sind auch langfristige Veränderungen von Grundwasser, Entwässerung, Hochwasserschutz, Infrastruktur und Gebäuden sowie mögliche Wechselwirkungen zwischen diesen Faktoren.
Deshalb setzen wir uns für eine langfristige und unabhängige Beobachtung der Bodenbewegungen und ihrer Folgen ein.
