Begriffe aus dem Bergrecht und der Schadensbearbeitung

Bürgerinitiative der Salzbergbaugeschädigten NRW e.V.

Bergbau-Lexikon

Fachbegriffe einfach erklärt

Bergbau, Bergschäden und Wasserwirtschaft bringen zahlreiche Fachbegriffe mit sich. Hier erklären wir die wichtigsten Begriffe, die auf unserer Internetseite und in Unterlagen zu den Salzabbaugebieten am Niederrhein immer wieder verwendet werden.

A

Abbaukammer

Ein durch den Abbau entstandener größerer Hohlraum unter Tage. Im Steinsalzbergbau können solche Kammern mehrere hundert Meter lang sowie viele Meter breit und hoch sein.

Abbaugebiet

Der räumliche Bereich, in dem ein Bergbauunternehmen einen Bodenschatz tatsächlich gewinnt oder dessen Gewinnung vorgesehen ist. Ein Abbaugebiet ist nicht zwangsläufig identisch mit dem gesamten Grubenfeld.

B

Bergschaden

Ein Schaden, der durch eine bergbauliche Tätigkeit verursacht wurde und nach den Vorschriften des Bundesberggesetzes als Bergschaden einzuordnen ist.

Beispiele können Schäden durch Senkungen, Schieflagen, Zerrungen, Pressungen oder Erschütterungen sein.

Bergschadensvermutung

§ 120 Bundesberggesetz enthält für bestimmte Schäden innerhalb des Einwirkungsbereichs eines untertägigen Bergbaubetriebes eine gesetzliche Vermutung zur Schadensursache.

Sind die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt, wird grundsätzlich vermutet, dass ein entsprechender Schaden durch den Bergbaubetrieb verursacht worden ist. Das Gesetz enthält jedoch auch Ausnahmen.

§ 120 BBergG öffnen

Bergsenkung

Absenkung der Geländeoberfläche infolge untertägiger bergbaulicher Tätigkeiten.

Die Senkung kann sich großflächig entwickeln und zusätzlich mit Schieflagen, Krümmungen sowie horizontalen Bewegungen verbunden sein.

Bergruhe

Mit Bergruhe wird im Zusammenhang mit Bergsenkungen der Zustand bezeichnet, bei dem bergbaubedingte Bodenbewegungen weitgehend abgeklungen sind.

Dafür gibt es keinen für alle Bergbauarten allgemein gültigen Zeitraum. Entscheidend ist, ob weitere Bodenbewegungen noch messbar beziehungsweise zu erwarten sind.

E

Einwirkungsbereich

Der Einwirkungsbereich bezeichnet einen räumlich bestimmten Bereich um einen Bergbaubetrieb, in dem Auswirkungen des Bergbaus auf die Oberfläche berücksichtigt werden.

Für die Bergschadensvermutung wird seine Grenze grundsätzlich anhand der in der Einwirkungsbereichs-Bergverordnung festgelegten Einwirkungswinkel bestimmt.

Bei Bodensenkungen wird dabei auf den Bereich Bezug genommen, in dem eine bergbaubedingte Senkung von 10 Zentimetern prognostiziert wird.

EinwirkungsBergV öffnen

Einwirkungswinkel

Ein geometrischer Winkel, mit dessen Hilfe der Einwirkungsbereich eines untertägigen Bergbaubetriebes bestimmt werden kann.

Für den Steinsalzbergbau am Niederrhein sieht die Einwirkungsbereichs-Bergverordnung grundsätzlich einen allseitigen Einwirkungswinkel von 65 Gon vor.

65 Gon entsprechen 58,5 Grad.

Erschütterung

Eine durch Schwingungen verursachte Bewegung des Bodens. Im Salzbergbau können solche Erschütterungen beispielsweise durch untertägige Sprengungen entstehen.

Auch Erschütterungen werden in § 120 BBergG ausdrücklich im Zusammenhang mit der Bergschadensvermutung genannt.

F

Flurabstand / Grundwasserflurabstand

Der Grundwasserflurabstand bezeichnet den vertikalen Abstand zwischen der Geländeoberfläche und der Grundwasseroberfläche.

Sinkt die Geländeoberfläche beispielsweise durch Bergsenkungen ab, während der Grundwasserspiegel gleich bleibt, wird der Grundwasserflurabstand kleiner.

Förderbrunnen

Ein Brunnen, über den Grundwasser gezielt abgepumpt wird. Im Gebiet der LINEG werden Förderbrunnen unter anderem zur Regulierung des Grundwasserstands in Bergsenkungsgebieten eingesetzt.

G

Geophon

Ein empfindlicher Sensor, der Bewegungen beziehungsweise Schwingungen des Bodens erfasst und in elektrische Signale umwandelt.

Geophone werden beispielsweise bei seismischen Untersuchungen verwendet, um Informationen über den geologischen Untergrund zu gewinnen.

Gon

Eine Maßeinheit für Winkel. Ein vollständiger Kreis hat 400 Gon.

Daraus folgt: 1 Gon = 0,9 Grad. Ein Winkel von 65 Gon entspricht somit 58,5 Grad.

Grundwasserregulierung

Technische Beeinflussung des Grundwasserstands, beispielsweise durch Förder- und Steuerbrunnen.

In Bergsenkungsgebieten am Niederrhein dient sie unter anderem dazu, Veränderungen des Grundwasserflurabstands infolge bergbaubedingter Geländesenkungen auszugleichen.

Grubenbild

Eine vermessungstechnische Darstellung eines Bergwerks. Es zeigt unter anderem Schächte, Strecken, Abbaubereiche, Grenzen und weitere für den Betrieb relevante Informationen.

Das Grubenbild ist Bestandteil der bergbaulichen Dokumentation und des Risswerks.

Grubenfeld

Das räumlich abgegrenzte Feld, auf das sich eine Bergbauberechtigung beziehungsweise ein Bergwerksfeld bezieht. Das tatsächlich abgebaute Gebiet kann wesentlich kleiner sein.

H

Hauptbetriebsplan

Ein Betriebsplan für die konkrete Errichtung und Führung eines Bergbaubetriebes.

Anders als ein langfristiger Rahmenbetriebsplan behandelt ein Hauptbetriebsplan einen begrenzteren Zeitraum und konkretere betriebliche Maßnahmen.

K

Kammerbau

Abbauverfahren im Untertagebergbau, bei dem größere Abbaukammern geschaffen werden.

Im Salzbergwerk Borth wurden beziehungsweise werden solche Kammern durch Bohren und Sprengen hergestellt.

M

Markscheide

Eine vermessungstechnisch beziehungsweise bergrechtlich festgelegte Grenze eines Gruben- oder Bergwerksfeldes.

Der Begriff spielt sowohl bei der Abgrenzung von Bergbaubereichen als auch bei deren kartografischer Darstellung eine wichtige Rolle.

Markscheider

Ein speziell für das Markscheidewesen qualifizierter und anerkannter Fachmann.

Markscheider vermessen Bergbaubetriebe über und unter Tage, führen beziehungsweise bearbeiten bergbauliche Karten und Risswerke und befassen sich mit Bodenbewegungen und bergbaulichen Einwirkungen.

Monitoring

Systematische und wiederkehrende Beobachtung beziehungsweise Messung bestimmter Entwicklungen.

Beim Salzbergbau kann Monitoring beispielsweise Bodenbewegungen, Grundwasserstände, Oberflächengewässer oder Erschütterungen umfassen.

N

Nullrand

Die äußere Grenze einer prognostizierten bergbaubedingten Bodenbewegung, an der rechnerisch beziehungsweise nach dem verwendeten Prognosemodell keine relevante Senkung mehr angesetzt wird.

Im Betriebsplanverfahren kann der Nullrand eine andere Bedeutung für die räumliche Betrachtung haben als der für die Bergschadensvermutung verwendete 10-cm-Senkungsrand.

Ö

Örterbau

Untertägiges Abbauverfahren, bei dem parallele Strecken beziehungsweise Abbauräume aufgefahren werden.

Zwischen den Abbauräumen bleiben Pfeiler aus dem Lagerstättengestein stehen, die zur Stützung des Gebirges dienen.

P

Planfeststellungsverfahren

Ein förmliches Verwaltungsverfahren zur umfassenden Prüfung und Zulassung bestimmter größerer Vorhaben.

Bei bergbaulichen Vorhaben kann ein Rahmenbetriebsplan planfestgestellt werden, wenn eine Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlich ist.

Pressung

Horizontale Verkürzung beziehungsweise Zusammenschiebung der Geländeoberfläche infolge einer Bodenbewegung.

Pressungen können Belastungen auf Gebäude, Fundamente, Straßen, Leitungen und andere Bauwerke ausüben.

R

Rahmenbetriebsplan

Ein übergeordneter und längerfristig angelegter Betriebsplan. Er enthält allgemeine Angaben über das geplante bergbauliche Vorhaben, dessen technische Durchführung und den voraussichtlichen zeitlichen Ablauf.

Wenn für das Vorhaben eine Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlich ist, wird der Rahmenbetriebsplan im Planfeststellungsverfahren behandelt.

§ 52 BBergG öffnen

Risswerk

Das Risswerk umfasst die vorgeschriebenen bergbaulichen Karten, Pläne, Risse und sonstigen vermessungstechnischen Unterlagen eines Bergbaubetriebes.

Es dokumentiert unter anderem den Verlauf und die Entwicklung des Bergwerks und wird nach markscheiderischen Vorschriften geführt.

S

Schieflage

Neigung der Geländeoberfläche oder eines Gebäudes, die beispielsweise durch unterschiedlich starke Senkungen entstehen kann.

Seismik

Geophysikalisches Verfahren zur Untersuchung des Untergrunds. Dabei werden künstlich erzeugte Schwingungen in den Boden eingeleitet und ihre Reflexionen an verschiedenen Gesteinsschichten gemessen.

Die Signale können mit Geophonen aufgezeichnet und anschließend zu einem räumlichen Bild des Untergrunds verarbeitet werden.

Senkungsmulde

Großräumige muldenförmige Absenkung der Geländeoberfläche, die durch untertägigen Abbau entstehen kann.

Innerhalb einer Senkungsmulde können zusätzlich Schieflagen, Krümmungen, Zerrungen und Pressungen auftreten.

Sonderbetriebsplan

Betriebsplan für bestimmte Teile eines Bergbaubetriebes oder besondere Einzelvorhaben.

Er ergänzt den Haupt- oder Rahmenbetriebsplan für konkret abgegrenzte Maßnahmen.

Stoß

Bergmännische Bezeichnung für eine seitliche Begrenzungsfläche eines untertägigen Hohlraums – vereinfacht vergleichbar mit einer Wand.

T

Teufe

Bergmännischer Begriff für die Tiefe.

Die Teufe beschreibt üblicherweise den vertikalen Abstand eines Punktes unter Tage zu einem festgelegten Bezugspunkt an der Oberfläche.

V

Vorfluter

Gewässer oder wasserwirtschaftliche Einrichtung, in die Wasser aus einem Gebiet abgeführt wird.

Vorfluter sind deshalb besonders für die Entwässerung tief liegender beziehungsweise abgesenkter Gebiete wichtig.

W

Wasserhaltung

Gesamtheit der Maßnahmen, mit denen Wasser aus einem Bergwerk oder einem durch Bergbau beeinflussten Bereich ferngehalten beziehungsweise abgeführt wird.

Z

Zerrung

Horizontale Dehnung beziehungsweise Verlängerung der Geländeoberfläche infolge einer Bodenbewegung.

Dadurch können Zugbeanspruchungen auf Fundamente, Gebäude, Leitungen oder andere Bauwerke entstehen.

Die nächste Radiosendung

Freitag, 9. Oktober 2026, 20:04 Uhr: Geologie und Bergbau

Alle Sendungen können Sie sich noch einmal anhören: Die BI in Radio und TV .

Die Sendung vom 14. August 2026 hatte das Thema Sprengungen im Salzbergbau behandelt.

Wir berichten regelmäßig im Radio KW Bürgerfunk über den Salzbergbau. Jeweils am 2. Freitag eines Monats werfen wir einen Blick auf den Salzbergbau, auf aktuelle Entwicklungen zum anstehenden Planfeststellungsverfahren und führen Interviews mit Experten durch.

 

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