Feststellung einer Schieflage

Bürgerinitiative der Salzbergbaugeschädigten NRW e.V.

Vermessung & Dokumentation

Feststellung einer Schieflage

Eine bergbaubedingte Schieflage lässt sich am besten feststellen, wenn bereits vor einer möglichen Einwirkung eine nachvollziehbare Ausgangsvermessung durchgeführt wurde und spätere Messungen mit denselben Messpunkten verglichen werden können.

Ausgangszustand

Messpunkte möglichst frühzeitig anbringen

Zur Ermittlung einer möglichen bergbaubedingten Schieflage sollten idealerweise bereits vor der ersten Einwirkung feste Messpunkte am Gebäude angebracht werden.

Dafür können beispielsweise dauerhaft befestigte Vermessungsbolzen an der Außenseite des Gebäudes verwendet werden. Ihre relative Höhenlage zueinander sollte von einem Vermessungsbüro fachgerecht aufgenommen und dokumentiert werden.

Entscheidend ist, dass die Messpunkte dauerhaft erhalten bleiben und bei späteren Wiederholungsmessungen eindeutig wiedergefunden und erneut vermessen werden können.

Wichtiger Expertenhinweis

Messpunkte nicht nur an den Gebäudeecken setzen

Drei Punkte reichen mathematisch aus, um eine Ebene zu bestimmen. Für die Beurteilung eines realen Gebäudes ist das jedoch nur eingeschränkt aussagekräftig.

Nach Einschätzung unseres Experten sollten Messpunkte nicht nur an den Gebäudeecken oder an den äußersten Seiten des Hauses angebracht werden.

Gerade diese Bereiche gehören häufig zu den konstruktiv besonders stabilen Teilen eines Gebäudes. Wenn sich dagegen ein Bereich zwischen den Eckpunkten stärker absenkt oder verformt, kann eine reine Messung an den Ecken diese Veränderung unter Umständen nicht ausreichend erfassen.

Deshalb sollten entlang der Außenwände zusätzliche Messpunkte vorgesehen werden. Als praxisnahen Richtwert empfiehlt unser Experte, etwa alle fünf Meter einen Messpunkt beziehungsweise Vermessungsbolzen zu setzen.

Warum das wichtig ist: Je dichter und sinnvoller die Messpunkte verteilt sind, desto besser lassen sich nicht nur einfache Schieflagen, sondern auch lokale Senkungen, Krümmungen und andere Verformungen des Gebäudes erkennen.

Messkonzept

Messpunkte über das Gebäude verteilen

Eckpunkte allein reichen nicht

Messpunkte an den Gebäudeecken liefern zwar wichtige Vergleichswerte, erfassen aber nicht automatisch Verformungen zwischen diesen Punkten.

Eine lokale Absenkung in der Mitte einer Gebäudeseite kann deshalb unentdeckt bleiben, wenn dort keine zusätzlichen Messpunkte vorhanden sind.

Zwischenpunkte schaffen mehr Aussagekraft

Zusätzliche Messpunkte entlang der Außenwände ermöglichen es, auch örtlich begrenzte Veränderungen besser zu erfassen.

Nach Empfehlung unseres Experten kann ein Abstand von ungefähr fünf Metern zwischen den Messpunkten eine sinnvolle Orientierung darstellen.

Aussagekraft

Die Anzahl der Messpunkte bestimmt, was später nachweisbar ist

Wie viele Messpunkte benötigt werden, hängt davon ab, welche Veränderungen später untersucht werden sollen.

Für eine rein gleichmäßige Veränderung einer angenommenen festen Ebene wären theoretisch wenige Messpunkte ausreichend. In der Realität ist der Untergrund jedoch nicht immer homogen und eine Senkung verläuft nicht zwangsläufig gleichmäßig.

Neben einer einfachen Schieflage können auch konkave und konvexe Verformungen, örtliche Senkungen oder andere Verzerrungen auftreten.

Je größer die Zahl sinnvoll verteilter Messpunkte ist, desto besser können solche Unterschiede später nachvollzogen werden.

Langzeitbeobachtung

Wiederholungsmessungen machen Veränderungen sichtbar

Erst der Vergleich mehrerer Messungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten zeigt, ob und wie sich die Höhenlage einzelner Gebäudebereiche verändert hat.

Dabei sollten möglichst immer dieselben Messpunkte und ein vergleichbares Messverfahren verwendet werden.

Für eine nachvollziehbare Dokumentation sollten insbesondere Datum, Messpunkte, Messverfahren, Höhenbezug und Messergebnisse dauerhaft aufbewahrt werden.

Auswertung

Welche Veränderungen können Messungen zeigen?

Höhenänderungen Veränderungen einzelner Gebäudebereiche im Zeitverlauf
Schieflagen Unterschiedliche Höhenänderungen zwischen verschiedenen Messpunkten
Lokale Senkungen Absenkungen zwischen Gebäudeecken und anderen Messpunkten
Krümmungen Hinweise auf ungleichmäßige Verformungen über die Gebäudelänge
Langzeitentwicklung Veränderungen, die sich erst über Jahre hinweg aufbauen
Dokumentation Objektive Grundlage für eine spätere fachliche Bewertung

Möglicher Bergschaden

Warum die Vermessung später wichtig sein kann

Werden bei späteren Messungen Veränderungen festgestellt, können die dokumentierten Werte eine wichtige Grundlage für die Bewertung eines möglichen Bergschadens darstellen.

Dabei ist insbesondere hilfreich, wenn eine Ausgangsmessung vorhanden ist und die späteren Veränderungen eindeutig nachvollzogen werden können.

Die Messdaten allein entscheiden jedoch nicht automatisch über die Ursache eines Schadens oder die Höhe einer möglichen Entschädigung. Dafür können weitere technische, markscheiderische oder rechtliche Bewertungen erforderlich sein.

Ergänzende Verfahren

Laserscanning und digitale Bestandsaufnahme

Zusätzlich zu klassischen Höhenmessungen können heute moderne Vermessungsverfahren wie Laserscanning eingesetzt werden.

Damit lässt sich der Zustand eines Gebäudes sehr umfassend dokumentieren und zu einem späteren Zeitpunkt mit einer erneuten Aufnahme vergleichen.

Welche Methode im konkreten Fall sinnvoll ist, sollte mit einem erfahrenen Vermessungsfachmann abgestimmt werden.

Hinweis

Fachgerechte Vermessung empfohlen

Wenn die Messungen später zur Bewertung eines möglichen Bergschadens herangezogen werden sollen, empfiehlt sich eine fachgerechte Vermessung und Dokumentation durch ein qualifiziertes Vermessungsbüro oder einen entsprechend sachkundigen Fachmann.

Bereits bei der Planung der Messpunkte sollte festgelegt werden, welche Veränderungen mit der Messung später überhaupt nachgewiesen werden sollen.

Die nächste Radiosendung

Freitag, 9. Oktober 2026, 20:04 Uhr: Geologie und Bergbau

Alle Sendungen können Sie sich noch einmal anhören: Die BI in Radio und TV .

Die Sendung vom 14. August 2026 hatte das Thema Sprengungen im Salzbergbau behandelt.

Wir berichten regelmäßig im Radio KW Bürgerfunk über den Salzbergbau. Jeweils am 2. Freitag eines Monats werfen wir einen Blick auf den Salzbergbau, auf aktuelle Entwicklungen zum anstehenden Planfeststellungsverfahren und führen Interviews mit Experten durch.

 

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